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DISKUSSION

DISCUSSION ONLY GERMAN VERSION

 

Etwas klingen lassen: ist das Komponieren?

Producing sounds is really composing?

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Hans OTTE

über

Klänge machen und Komponieren

in:

Christine BREYHAN / NMWB

Denk-Bilder.

(Schriftenreihe der Museumspädagogik, 2)

Bremen, Neues Museum Weserburg Bremen, 1992

p. 24- 26

Interview Teil 2: am Februar 1992 (Auszug p. 25-26).

 

In Ihrer Musik is diese freie Fliessen, die elementare Unmittelbarkeit von Geräuschen wie Atmen, Wind, Meeresrauschen. Die Klänge scheinen keinen Anfang und kein Ende zu haben, drückt sich darin die Haltung des Zen aus?

Hans OTTE:

Die Art und Weise, wie ich arbeite, mit dem Material umgehe, hat sich total verändert. Das hängt mit der Zeit zusammen, mit der Form, mit der ganzen Dynamik, dass ich Klänge nicht psychologisiere oder irgendwohin treibe. Ich lasse die Klänge, das schwebt mir viel mehr vor als der kompositorische Eingriff, über den dann gesagt wird, das sei ja eine hochinteressante Sache, weil sich wieder einmal das Ego eines Künstlers bemerkbar gemacht hat.

Trotz dieser Freiheit findet in Ihrer Musik eine Entwicklung statt. Es sind keine blossen Wiederholungen?

Hans OTTE:

Die Klänge zeigen einem, wohin sie laufen wollen oder nicht. Man folgt eigentlich mehr den Klängen, als dass man komponiert.

Ist das ein naturhafter process?

Otte:

Das hängt auch wieder mit Zen zusammen. Wenn man das Leben nicht ständig bestimmen will, wenn man zuhört oder zusieht, wie es wirkt und wie es ist, nicht wie es sein sollte nach unserer Meinung. Es gibt ein Buch von Beckett, das heisst: "Comment c'est" wie es ist! Das Leben ist schön genug, man braucht nichts hinzufügen.

Wenn man der Bilderflut ausgesetzt ist, wie die Kinder heute, die gar keine eigenen Bilder mehr zu produzieren brauchen, sie können ja schon die Bildern, die ihnen angeboten werden gar nicht mehr verarbeiten, nimmt man ihnen das von dem, wie es ist, etwas weg?

Otte:

Gewiss! Ich habe in Kalifornien eine Schulklasse gesehen, die wohl von einem Ausflug kam und auf den Omnibus wartete, die setzte sich mit ihrem Lehrer auf eine Wiese und meditierte, ganz kleine Kinder.

(...) Heisse das, dass der Klang als Material als solches, wenn er frei von individueller Aussage ist, durch Objektivität und Genauigkeit etwas vom Wesen der Musik widerspiegeln kann?

Otte:

Das ist das grosse ideal, das ich auch habe, aber Klänge wieder Klänge sein zu lassen, klingt einfacher, als es getan ist. Es erfordert ein anderes bewusstsein vom Zusammenhang. Was ist nach dem ersten Klang? Kann ich mich von Erinnerung und Erwartung, die verhindern, dass ich in die gegenwart komme - freimache? Rauschenberg sagt, während er seine Bilder malt, sei es das Wichtigste, nicht von seiner eigenen Erinnerung gedrängt, bestimmt zu werden. In der Musik ist es ebenso.

(...)

ZU-FALL, das ist ein Geschenk, das ich ohne eigenes Verdienst bekomme.

Otte:

Es ist das Leben selbst, das einem zufällt. Wenn unsere Wahrnehmuing gelenkt ist, spüre ich das eben nicht, dass alles geschieht, immer schon geschehen ist, dass ich imgrunde nie etwas gemacht habe.

(...) Die Kunst der Wahrnehmung ist so wenig ausgebildet. Wahrnehmung heisst fur mich: Achtsamkeit, Disziplin, Hingabe, Liebe, Interesse und Intelligenz.

(...)

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