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DISCUSSION:

SPIELEN OHNE ZU ÜBEN?

"Meinen Sie auch wie Paul Bley das es mit dem Musikmachen ist wie mit der Liebe?"

Do you agree Paul Bley's statement : "A componist is a failure as improvisor"?

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Peter Niklas WILSON

Aus: Kapitel 18: Spielen, ohne zu üben: Paul Bley (1989). (Titel 18): Peter Niklas Wilson, Hear and Now. Gedanken zur improvisierte Musik. Hofheim, Wolke Verlag, p.160 bis 162.

FETISCH DER NOTATION

Interview Paul Bley

 

PAUL PLEY : "Der einzige Underschied zwischen Improvisation und notierten Musik ist, dass der Komponist drei Wochen braucht, um die Frage zu beantworten. Ein Komponist würde Ihre Fragen mit nach Hause nehmen, eine Menge Papier vollschreiben und die Antworten vorbereiten. Und die Welt würde glauben, dass, weil er drei Wochen dazu braucht, das dann natürlich auch bessere Antworten seien. In Wirklichkeit aber is es so, dass dann man, bevor Tonbandgeräte aufkamen, seinen musikalischen Gedankengang mittendrin unterbrechen musste, um aufzuschreiben, was man gerade gehört hatte, dann weitermachen, versuchen, sich daran zu erinnern, woran man gerade dachte, wieder abbrechen, um zu notieren und so weiter - man unterbrach also ständig den Fluss. Also ist der Luxus, sich drei Wochen Zeit zu nehmen, nicht unbedingt der bessere Weg. Jetzt, wo es Tonbandgeräte gibt, finden viele Musiker, dass sie bessere musik machen, wenn sie das Ganze in einem Atemzug auf Band aufnehmen, anstatt immer wieder pausen einlegen zu müssen, uim die Dinge aufzuschreiben.

Und Papier is ohnehin ein sehr ungenaues Medium für Musik. Man kann Dinge wie Anschlag, Ton und Phrasierung nicht wirlich festhalten. Man kan natürlich eine Menge Punkte und Wörter auf das Papier setzen, aber das ist doch längst nicht so gut, wie wenn man das, was man hört, einfach aufnimmt und jemandem vorspielt. Die Gutenberg-Presse ist von der Electronik überholt worden. "

DIE PROBE FINDET NACH DER AUFNAHME STATT

Paul PLEY : " Was das Üben zuhause angeht: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie nach diesem Interview nach Hause gehen und dort das Sprechen üben. Als Erwachsener wissen Sie, wie man spricht. Ob Sie etwas zu sagen haben, ist natürlich eine andere Frage. Aber sprechen können Sie, und mit dem Sprechenlernen ist man schon als Kind fertig. Die Gefahr beim Üben ist, dass man es aus anderen als wirklich musikalischen Gründen betriebt. Als ich mit Charles Mingus spielte, übte Yusef Lateef immer in der Garderobe. Er übte eine Reihe von Sequenzen; er spielte immer das Gleiche in verschiedenen Tonarten. "Klingt nicht übel", dachte ich, "mal gespannt, was er auf der Bühne spielen wird." Und abends, als das erste Saophonsolo kam, spielte er dann genau das, was er in der Garderobe geübt hatte. Üben kann also zu einer Gefahr für die musikalische Erfindung werden. Denn ich habe die Vorstellung, dass man jedesmal, wenn man spielt, wirklich Musik macht.

Viele Pianisten sagen, dass sie üben müssen, weil sie nicht genug Technik haben. Ich denke: Wenn jemand weniger Technik hat, muss er weniger Noten spielen, und wenn man weniger Noten spielt, ist die Wahrscheinlichkeit viel geringer, dass man schlecht spielt. Also ist ein Mangel an Technik eine gute Sache. Schlecht ist es, wenn man zuvie Technik, aber nichts zu sagen hat.

Für mich selbst habe ich herausgefunden, dass es mit dem Musikmachen wie mit der Liebe ist. Je länger man sich nicht sieht, desto grösser das Verlangen. Wenn ich vier Monate nicht gespielt habe und dann auf der Bühne bin, gibt es einen wahren Sturnbach aufgestauter Gefühle.

Und schliesslich sollte die Musik ja ein Dialog, kein Monolog sein. Man spricht ja zu jemandem. Wenn jemand die ganze Zeit Selbstgespräche führt, landet er schliesslich in der Psychiatrie. Man braucht Zuhörer. Wie kann man sich also auf eine Situation vorbereiten, wo man mit Hunderten oder Tausenden kommuniziert, indem man die ganze Zeit allein in seinem Kämmerchen gibt? Da übt man nur das Üben, aber nicht das Spielen. "

 

Herausgeber HEAR&NOW: Wolke Verlag - Alte Bleiche 9 - D - 65719 Hofheim/TS - FAX + 49 6192 952 939.

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