
Als ich das Monochord 1978 entdeckte, war ich gleich von seinem Klang fasziniert und begann, noch während meiner Musiktherapie- Ausbildung, mit einem eigenen Instrument zu experimentieren. Dabei stellte ich fest dass es als Entspannungshilfe für manche Patienten gut geeignet war. Vor allem stark leistungsorientierte Menschen, bei denen Autogenes Training nicht hilfreich war, sprachen darauf an. Während die einen glücklich schwärmten, war für andere der Klang nervig bis bedrohlich. Das verstand ich damals überhaupt nicht, und so wuchs mein Interesse, die Dinge zu erforschen.
Für die Klang-Rezeption verwenden wir im musiktherapeutischen Rahmen ein , Monochord mit dreizehn Saiten, welche alle auf die gleiche Tonhöhe gestimmt sind. Der Spieler streicht nun abwechselnd mit einem Finger der rechten und linken Hand über die Saiten. So entsteht ein in sich kreisender, fliessender Klang, der sich aus verschmelzenden gleichen Tönen zusammensetzt. Über diesem Grundton sind nach kurzer Spieldauer feine Melodien aus den natürlichen Obertönen wahrnehmbar. Wenn man sich auf diesen Klang einlassen kann, kommt es häufig zu Gefühlen von Aufgehoben- und Geborgensein in einem grösseren Ganzen, einer höheren Ordnung, die sich als Getragensein im Mutterleib oder als kosmische Alleinheit öffenbaren kann. Wenn dieser Themenbereich allerdings besetzt ist durch frühe Störungen in der grundlegenden Phase des Sicheinsfühlens mit der Mutter und des wortlosen Verstanden- und Getragenseins, dann können auch diese leidvollen Erfahrungen nach oben kommen. Dadurch werden sie allerdings auch dem Bewusstsein im therapeutischen Sinn zugänglich.
Die häufigste Assoziation zum Monochord-Klang ist das Element des Wasser in seinen verschiedensten Erscheinungsformen, was sich positiv ausdrücken kann in Gefühlen von schwerelosem Sichbewegen oder Ruhen in warmen Wasser. Aber auch ein Schweben in der Luft oder im Weltraum wird oft erlebt, kosmische Gefühle von Eingefügtsein in die sinvolle Ordnung der Planetenbewegungen. Dies deutet auf Entspannung und Gelöstsein hin. Das Gefühl, getragen zu sein, spiegelt sich in Bildern, wo sich jemand in einem Boot oder auf einer Luftmatratze, also auf dem Wasser, befindet. Oft werden Phänomene erlebt wie die Aufhebung der Trennung zwischen Körper und Klang oder auch Zeitlosigkeit taucht auf in Bildern, wo jemand sich in einer Höhle oder Hülle befindet; da können Erinnerungen auftauchen an Bettkuscheln mit den Eltern oder Freunden im warmen Schlafsack im Zelt. Aber auch negative Gefühle können ausgelöst werden: Ungeborgenheit, Angst zu zerfliessen, sich aufzulösen. Hier ist Vorsicht geboten.Die Abwehr des Hörenden ist als unbewusster Schutzfaktor unbedingt zu respektieren.
Im Monochord-Klang kommt ein breites Spektrum der Einheitserfahrung zum Ausdruck.
© Tonius TIMMERMANN
to KLANGREISE
to INSTRUMENTAL GALLERY-index
E-mail: MusicAnd(< click) This page belongs to: http://www.multimania.com/musicand